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Corona-Krise

Rückschlag für die Transportbranche?

Autobauer pausieren die Fahrzeugfertigung, Zulieferer schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit, Logistiker werden vor extreme Herausforderungen gestellt und Busunternehmen schlagen Alarm. Die Corona-Krise ist längst auch in der Mobilitäts- und Logistikbranche angekommen. Dennoch gibt es auch positive Effekte.

In vielen Bereichen zeichnet sich ein deutlicher Rückgang des Transportaufkommens ab – besonders den Personentransport trifft es schwer (Foto: iStock.com)
In vielen Bereichen zeichnet sich ein deutlicher Rückgang des Transportaufkommens ab – besonders den Personentransport trifft es schwer (Foto: iStock.com)

Das Coronavirus ist eine noch nie da gewesene Herausforderung für Gesellschaft  und Wirtschaft. Viele Branchen und Märkte trifft es hart und auch auf die Mobilitäts- und Logistikbranche hat die Corona-Krise dramatische Auswirkungen: Egal ob in der Produktion oder in der Logistik, ob klein oder groß, ob auf der Straße, der Schiene oder in der Luft – die Unternehmen werden vor extreme Herausforderungen gestellt.

Lieferketten funktionieren weiterhin

Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben im Rahmen einer Kurzbefragung die Auswirkungen des COVID-19-Virus auf die Logistikbranche untersucht. „Positiv ist, dass derzeit alle Lieferketten aufrechterhalten werden können und dass kein Bereich identifiziert wurde, bei dem die Logistik einen echten Engpass darstellt“, fasst Prof. Gernot Liedtke, Abteilungsleiter für Wirtschaftsverkehr, zusammen. Im Lebensmittelbereich ist das Transportaufkommen etwa 20 Prozent über das normale saisonale Niveau gestiegen. Und auch der Online-Handel nimmt in den Sparten Lebensmittel, Medikamente und Elektronik zu, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) mitteilt. Das zeigt auch das Beispiel Amazon. 100.000 neue Mitarbeiter für Lager und Auslieferung stellt der Handelsriese allein in den USA ein, in Deutschland sind es 350 neue Stellen.

Wirtschaftliche Rückschläge

Doch jenseits von Lebensmitteltransporten und gewissen Sparten im E-Commerce zeichnet sich in vielen Bereichen ein deutlicher Rückgang des Transportaufkommens ab. Besonders den Personentransport trifft es schwer, wie ein Beispiel aus Hongkong zeigt: „Viele unserer Unternehmen sind erheblich betroffen“, meldete die MTR Corporation, die unter anderem die Hongkonger U-Bahn betreibt, in einer Erklärung Anfang März 2020. Basierend auf vorläufigen Schätzungen beliefen sich die finanziellen Einbußen der Auswirkungen des COVID-19-Ausbruchs und der Folgen der öffentlichen Einschränkungen in Hongkong in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 auf rund 1,3 Milliarden Hongkong-Dollar, umgerechnet mehr als 150 Millionen Euro, auf den Nettogewinn der Konzerngeschäfte.

Das amerikanische Unternehmen National Railroad Passenger Corporation, das unter dem Markennamen Amtrak einen Großteil des schienengebundenen Personenfernverkehrs innerhalb der USA betreibt, verliert allein durch die bis Ende Mai geschlossene Strecke zwischen Washington, D. C. und New York etwa 3,4 Millionen Reisen und geschätzte Ticketeinnahmen in Höhe von 606 Millionen US-Dollar.

Besonders betroffen von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus sind auch Busunternehmen. Thomas Strier ist Geschäftsführer des mittelständischen Reiseunternehmens Strier Reisen im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren. Das Unternehmen besitzt zwölf Reisebusse, beschäftigt 26 Mitarbeiter und bietet internationale Busreisen an. „Wir wurden durch die staatlichen Maßnahmen von 100 auf null heruntergebremst. Wir mussten Kurzarbeit anmelden und suchen alternative Beschäftigungen für unsere Mitarbeiter“, sagt Thomas Strier. Und kann nur darauf hoffen, dass das Fahrverbot bald aufgehoben werden kann und die Menschen nach der vielen Zeit zu Hause einen Nachholbedarf an Reisen haben.

Positive Effekte in Krisenzeiten

Doch es gibt auch positive Effekte, wie die Umfrage des DLR zeigt. In Deutschland beispielsweise bleiben die nationalen Logistiknetzwerke weiterhin stabil, Dienstleister im städtischen Lieferverkehr freuen sich über freie Straßen und Logistik-Unternehmen und der Handel begegnen einander so flexibel und kooperativ, wie es noch vor der Krise nicht denkbar gewesen wäre.

Darüber hinaus reagieren viele Unternehmen aktiv auf die neue Situation. Die Branche rückt zusammen und findet neue und flexiblere Lieferkonzepte und Logistiklösungen. Führende Vertreter des Schienengüterverkehrs – darunter die Deutsche Bahn, die Hamburg Port Authority (HPA) und das Netzwerk europäischer Eisenbahnen (NEE) – haben sich etwa in einer gemeinsamen Charta zu einer verstärkten Zusammenarbeit bekannt, um die Versorgung über die Schiene sicherzustellen. Und auch branchenübergreifend wird solidarisch gehandelt: Daimler und VW etwa spenden Atemschutzmasken an Kliniken und Arztpraxen.

Andere Unternehmen stellen derweil um und bieten Produkte oder Dienstleistungen an, die jenseits ihres Kerngeschäfts liegen. Das badische Reiseunternehmen Löble Reisen bietet jetzt einen Lieferservice für Menschen an, die ihre Wohnung aus Sicherheitsgründen nicht verlassen können, E-Auto-Pionier Tesla will Beatmungsgeräte fertigen und sowohl ZF Friedrichshafen wie auch der bayrische Automobilzulieferer Zettl, der normalerweise Produkte wie Sitzbezüge oder Türverkleidungen für den Fahrzeuginnenraum herstellt, produzieren Atemschutzmasken. Dabei entstehen nicht selten ungewöhnliche Allianzen. Der Automobilzulieferer MAHLE, einer der weltgrößten Produzenten von Kolben, Zylindern und Ventilsteuerungen, hat sich beispielsweise mit dem Unterwäschehersteller Triumph zusammengetan, um für die Intensivpflege Atemmasken mit einem FFP3-tauglichen Filtermedium zu produzieren, das Viren abfängt.

Ein Teil des Textes basiert auf den Recherchen von asmag.com

Tags

  • Transport & Logistics

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