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Start-up: Avy

Drohnen für eine bessere Welt

Fliegen hat höhere Emissionen als jede andere Art der Fortbewegung. Das Start-up Avy will das ändern und geht sogar noch einen Schritt weiter. Die Vision: eine innovative und nachhaltige Flugzeugtechnologie, die etwa mit medizinischen Drohnenlieferungen Leben rettet.

Grafik einer Drohne
Emissionslos, autonom und im Einsatz, um Gutes zu tun – die Flügeldrohne von Avy (Foto: Avy)

Malawi im Südosten Afrikas zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. 90 Prozent der Bevölkerung leben von den schwankenden Einnahmen der Landwirtschaft und ein Großteil hat keinerlei Zugang zu Gesundheitsversorgung. Die Krankenhäuser in den größeren Städten des Landes bieten zwar eine grundlegende medizinische Betreuung, doch häufig gibt es nicht genug Medikamente, Blutspenden und medizinische Geräte. Darüber hinaus fehlt ein medizinisches Netzwerk außerhalb der Städte. Patienten, die auf dem Land leben, müssen oft riesige Wegstrecken zu Fuß zurücklegen, um medizinisch versorgt zu werden.

Emissionlos, autonom und VTOL

Wie die Menschen in solch abgelegenen Gebieten der Welt aber auch im urbanen Umfeld besser beziehungsweise schneller mit Medikamenten, Impstoffen, Blut und Geräten versorgt werden können – das untersucht derzeit das Start-up Avy. 2016 in den Niederlanden gegründet, entwickelte das Team um Gründer Patrique Zaman eine Flügeldrohne, die die Zukunft der Luftfahrt revolutionieren und damit „Gutes“ tun will. „Wir haben Avy gegründet, um eine elektrische Flügeldrohne zu entwickeln, die vollautonom und ohne Emissionen fliegt, die senkrecht startet und landet (Vertical Take-off and Landing, kurz: VTOL) und deren Einsätze sich auf lebensrettende Missionen und Anwendungen konzentriert“, erzählt Patrique Zaman.

Die Flügeldrohne vereint dabei die Agilität einer Drohne und die Effizienz eines Flugzeugs. Sie startet wie eine Drohne, verlässt sich in der Luft aber auf die Flügel, sodass sie deutlich leiser als eine normale Drohne ist und außerhalb der Sichtverbindung fliegen kann, ohne nochmals aufladen zu müssen. Die Kosten wiederum sind deutlich geringer als bei einem Flugzeug oder einem Helikopter.

In den vergangenen Jahren testete das Start-up seine Technologie, probte Einsätze und schickte die Flügeldrohne unter jeglichen Wetterkonditionen und Bedingungen auf Testflüge insbesondere in Afrika. Nun steht die operative Einführung und die kommerzielle Entwicklung an. Denn bereits 2020 werden EU-weit neue Regularien von der EASA (European Union Aviation Safety Agency) für unbemannte Objekte im Luftraum umgesetzt. Dann dürfen Drohnenunternehmen ihre Fluggeräte auch mit schwerer Fracht und über große Entfernungen ohne Sichtverbindung, BVLOS (Beyond Visual Line of Sight) genannt, fliegen.

Medizinische Lieferungen und Umweltschutz

Zunächst will sich Avy auf zwei Einsatzgebiete vornehmlich in Afrika und Europa konzentrieren: medizinische Lieferungen und Umweltschutz. Gemeinsam mit Partnern wie UNICEF soll die Drohne zukünftig Medikamente, Impfstoffe und Blut sowohl in regelmäßigen Abständen als auch in akuten Notfällen an schwer zugängliche Orte liefern. In Notfällen sollen zudem AEDs (Automatisierter Externer Defibrillator) und sterile chirurgische Instrumente von einem zentralen Lagerort in die lokalen Kliniken gebracht werden. Darüber hinaus soll die Drohne, die derzeit ein maximales Abfluggewicht von zehn Kilogramm hat, auch Blut- und Gewebeproben von jedem beliebigen Ort abholen und sie in ein zentrales Labor zur Untersuchung bringen. In Europa wird Avy die erste Drohnenfirma sein, die BVLOS-Flüge in der Luftrettung durchführt.

Doch es zählen nicht nur Menschenleben. Eingesetzt werden soll die Drohne auch zum Schutz von Wildleben und Natur. „Aus der Luft können Umweltschützer mithilfe von Kamera und Wärmebildkamera Gebiete wie beispielsweise Nationalparks besser schützen“, sagt Zaman. „Tiere können viel einfacher identifiziert und gezählt und die gesamte Infrastruktur besser überwacht werden. Katastrophen wie Überschwemmungen und Großbrände können besser kontrolliert und Wilderer frühzeitig entdeckt werden. Und nicht zuletzt können auf Basis der Daten hilfreiche Karten erstellt werden.“

Wie ein Schweizer Taschenmesser

Grundätzlich sieht Avy ihre Drohne als Werkzeug. „Wir nennen unsere Flügeldrohne auch „Schweizer Taschenmesser“, weil sie als fliegendes Multitool fungiert“, so Zaman. „Die Funktionen und die Nutzlast der Drohne sind modular aufgebaut, sodass sie einfach an bestimmte Anforderungen angepasst werden kann. In wenigen Minuten können wir so von ,Cooled Medical Cargo‘ zu ,Thermal Imaging‘ und von ,Multispectral‘ zu ,Mapping‘ umbauen. Wir versuchen, mit dem Kunden zu denken, und bereiten uns auf unterschiedlichste Einsatzbereiche vor.“

Die positive Anwendung steht dabei immer im Fokus. „Wir arbeiten weder mit fossilen Brennstoffen noch mit Bergbauunternehmen und sind entschieden gegen Anwendungen in der Kriegsführung oder Verteidigung. Natürlich gibt es darüber hinaus einen großen Bereich, der zwar keine Leben rettet, der aber auch nicht ,schlecht‘ ist. Trotzdem versuchen wir immer herauszustellen, wo wir etwas ,Gutes‘ bewirken können. Wenn unsere Drohne beispielsweise im Bereich Logistik und Fracht anstelle eines Hubschraubers eingesetzt würde, würde sich das wieder positiv auswirken, weil keine fossilen Brennstoffe mehr verwendet werden würden“, so Zaman.

Sicherheit an erster Stelle

Doch Avy denkt noch größer. In den kommenden Jahren will das Start-up zu einem richtigen Luftfahrtunternehmen werden. „Ich glaube fest daran, dass die Zukunft der Luftfahrt elektrisch, VTOL und autonom sein wird, und wir wollen in diesem Markt führend sein“, sagt Zaman. In zehn Jahren sieht er Avy mit einer breiten Produktpalette aus kleineren Drohnen, wie die, die aktuell getestet werden, und größeren Drohnen für größere Frachten. Und irgendwann, so die Hoffnung, sollen die Avy-Drohnen auch Passagiere transportieren können.

Damit die Drohnen auch schon jetzt gemäß der neuen EU-Vorschriften fliegen dürfen, erfüllt Avy die am schwierigsten zu erreichende Sicherheitskategorie, die sogenannte SAIL-6. Damit wird das Start-up auch mit einem großen Fluggerät über sehr dicht besiedelte Gebiete fliegen dürfen. Das erfordert unter anderem die dreifache Sicherheitsredundanz in allen Systemen. „Während andere Drohnenhersteller sagen, sie können sehr schnell fliegen oder eine große Fracht tragen,“, so Zaman, „können wir behaupten, dass wir sicher über dicht besiedelte Gebiete fliegen können.“

Avy auf der Hypermotion

Am 28. November 2019 diskutiert Avy-Gründer Patrique Zaman im Rahmen der Hypermotion auf der Smart Mobility Conference zum Thema „Schöne neue Welt?“ mit weiteren Akteuren darüber, welche neuen Marktteilnehmer das Marktgeschehen heute und künftig beeinflussen und wie sich das Ökosystem gestalten lässt.

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