Überspringen
Smart City Loop
Zurück zur Übersicht

Start-up: Smart City Loop

Unterirdisch auf der vorletzten Meile

Weniger Lkw in den Innenstädten und dafür Waren durch Röhren im Boden in die Citys transportieren? Eine schöne Vorstellung für verkehrsgeplagte Städte. Das Kölner Start-up Smart City Loop arbeitet an der Umsetzung dieser Vision.

Ekart Kuhn
Schon in wenigen Jahren können Smart City Loops zum Einsatz kommen, schätzt Gesellschafter Ekart Kuhn (Foto: Smart City Loop)

Waren werden durch unterirdische Röhren aus der Peripherie in die Innenstädte transportiert. Klingt futuristisch? „Das ist keine Raketentechnik“, betont Gesellschafter Ekart Kuhn. Röhren, wie sie das Start-up Smart City Loop zum Warentransport verlegen will, baue man seit 20 oder 30 Jahren für Fernwärme oder Versorgungsleitungen. Mit Zukunftstechnologie wie dem Hyperloop eines Elon Musk, in dem Passagiere im luftleeren Raum mit Schallgeschwindigkeit transportiert werden sollen, hat Smart City Loop nichts zu tun.

Durch Röhren mit einem Durchmesser von 2,80 Meter sollen palettierte Lieferungen aus Güterversorgungszentren am Stadtrand unterirdisch in die Innenstädte zu sogenannten Micro Hubs transportiert werden. Von dort würde dann die Weiterverteilung der Waren auf möglichst nachhaltige Weise mit E-Lastenrädern oder Brennstoffzellen-Lkw erfolgen. Mit dieser „letzten Meile“ beschäftigen sich viele; der Abschnitt davor, die „vorletzte Meile“, ist aber genauso wichtig. „Letztlich ist allen in Logistik und Handel klar, dass sie in einigen Jahren in den Innenstädten nicht mehr so ausliefern können wie heute“, erklärt Kuhn.

E-Commerce und stationärer Handel

Der Vorteil des Konzepts von Smart City Loop, so Kuhn, liege darin, dass damit E-Commerce ebenso bedient werden könne wie der stationäre Handel und Stückgutlieferungen. „Angesichts von möglichen Entwicklungen wie Citymaut oder Fahrverboten bekommt auch der Einzelhändler in der Innenstadt irgendwann Probleme bei der Belieferung“, erklärt der Gesellschafter.

Per Smart City Loop könnten alle Arten von Waren transportiert werden, die sich auf Standardpaletten versenden lassen: Stückgüter, Getränke und auch Lebensmittel. Damit die einwandfrei ankommen, werde in den Röhren ein Temperaturbereich zwischen 14 und 18 Grad eingehalten. In Modellrechnungen geht Smart City Loop von etwa 5.000 Paletten aus, die täglich in einem Zweischichtbetrieb befördert werden können: 3.000 mit Waren in die Stadt hinein, 2.000 zur Entsorgung hinaus.

Konkurrenzfähige Stückgutkosten

Die Röhren würden üblicherweise etwa zehn Meter unter der Erde verlegt und damit unterhalb aller Kommunikations- und Versorgungsleitungen. Zum Ausgleich des Höhenunterschieds beim Ein- und Ausstieg würde Technik aus dem Hochregallager eingesetzt. Die Beförderung durch die Röhre erfolgt mithilfe von fahrerloser Beförderungstechnik. „Das sind alles Standard-Technologien“, betont Kuhn.

Das Verlegen der Röhren erfolgt in Rohrvortrieb, einer grabenlosen Bauweise. Zehn bis 20 Meter könne man am Tag bauen. Insgesamt lägen damit die Gesamtkosten eines Projekts im oberen zweistelligen Millionenbereich. Dennoch, betont Ekart Kuhn, sei man konkurrenzfähig. „Man kommt auf Stückgutkosten auf der vorletzten Meile, die mit anderen Angeboten durchaus vergleichbar sind.“

Machbarkeitsstudie in Hamburg

2018 wurde Smart City Loop im Rahmen des ersten Bundeswettbewerbs für nachhaltige Logistikkonzepte des Bundesumweltministeriums ausgezeichnet. Zurzeit führt das Unternehmen eine Machbarkeitsstudie in Hamburg durch. Dabei soll eine Röhre vom Stadtteil Wilhelmsburg nach Altona verlegt werden. Damit würde man die Elbe unterqueren, aber auch das sei kein Problem, betont Kuhn. „Wir gehen da auf etwa 25 bis 30 Meter Tiefe.“

Der Auftraggeber dieser Studie ist der Immobilienentwickler Four Parx, der ein Logistikgelände gekauft hat, das als Güterversorgungszentrum dienen könnte, und der weitere Gelände zu Micro Hubs entwickeln will. Investoren zu gewinnen fällt Smart City Loop leicht, so Kuhn. Und auch Betreiber zu gewinnen sollte kein Problem sein. „Operativ werden die Betreiber dann voraussichtlich Spediteure sein.“

Entwicklung mit Fraunhofer

Schon in wenigen Jahren könnten die ersten Smart City Loops im Einsatz sein, schätzt Ekart Kuhn. Wissenschaftlich begleitet wird die Entwicklung bis dahin vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik.

Kuhn sieht Smart City Loop dann auch eher als ein Logistik-, weniger als ein Infrastrukturprojekt. Er und sein Mitgesellschafter und Geschäftsführer Christian Kühnhold sind erfahrene Logistiker. Kühnhold kommt von Paki Logistics, einem Dienstleister für Ladungsträger, Kuhn von der Beratungsfirma Ekupac. „Logistik funktioniert dann“, schmunzelt er, „wenn Ware eine Stimme hat. Daran arbeiten wir.“

Smart City Loop auf der Hypermotion

Das Kölner Start-up stellte sein Konzept auch auf der Hypermotion 2018 vor. „Es ergaben sich interessante Gespräche und viele neue Kontakte“, bestätigt Gesellschafter Ekart Kuhn.

Angebote der Hypermotion für Start-ups

Tags

Die Messe Frankfurt verwendet Cookies, um Ihnen das bestmögliche Besuchserlebnis bieten zu können. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen