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Die Plastikentsorgung ist eines des größten Umweltprobleme der Gegenwart, doch immer mehr Unternehmen nehmen sich dieser Herausforderung an (Foto: iStock)
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Recycling in der Mobilität

Plastik: Zu vielseitig zum Wegwerfen

Schockierende Nachrichten über die Vermüllung der Weltmeere zeigen, dass die Entsorgung von Plastik eines der größten Umweltprobleme der Gegenwart ist. Weniger als ein Drittel der Kunststoffabfälle in Europa wird wiederverwertet, meistens wird Plastik deponiert oder verbrannt. Dabei gibt es viele mögliche Anwendungen, wie man Kunststoffe recyceln kann. Wir stellen drei innovative Beispiele vor, die Recycling mit Mobilität verbinden.

Weltweit werden jährlich rund 320 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. In den EU-Staaten entfällt der größte Anteil davon, rund 40 Prozent, auf Verpackungsmaterial. Die Lebensdauer der mit Kunststoff hergestellten Produkte variiert zwar, aber gerade Verpackungsmaterial landet schnell auf dem Müll. Auch in Deutschland wird weniger als die Hälfte des produzierten oder gebrauchten Plastiks wiederverwendet. Der Rest wird thermisch verwertet, ­also verbrannt, oder landet auf der Mülldeponie.

Die Automobilindustrie hinkt im Bereich wiederverwendetes Plastik noch hinterher. Zwar wird mehr und mehr Kunststoff in Neuwagen verbaut, weil die leichtere Bauweise Treibstoff spart und somit Emissionen reduziert. Aber die meisten Plastikteile werden dafür neu produziert. Im BMW i3 bestehen ungefähr 25 Prozent des verbauten Plastiks aus Rezyklaten, also wiedergewonnenem Altplastik, sagt Steffen Aumann, Leiter des Recyclings bei der BMW Group. Für den Bau der aktuellen S-Klasse von Mercedes werden knapp 50 Kilogramm Recyclingplastik benutzt.

Muzzi Cycles fertigt jährlich über 130.000 Fahrradrahmen aus alten Plastikflaschen (Foto: Muzzi Cycles)
Muzzi Cycles fertigt jährlich über 130.000 Fahrradrahmen aus alten Plastikflaschen (Foto: Muzzi Cycles)

Radwege für morgen

Dass es geeignete Alternativen zur Verbrennung oder Deponie gibt, zeigt ein Projekt aus den Niederlanden. Dort wurden 2018 zwei Radwege aus aufbereitetem Kunststoff eröffnet. Ausgestattet mit zahlreichen Sensoren sollen die jeweils 30 Meter langen Abschnitte in Zwolle und Giethoorn als Pilotprojekt dienen. Die dahinterstehende Firma heißt PlasticRoad und wird unterstützt aus der Kollaboration der Unternehmen KWS, Wavin und Total. Für die bisherigen Radwege wurde ein Äquivalent von 436.000 Kunststoffbechern an wiederverwertetem Plastik verwendet.

Die Straße selbst ist ein modulares System, das sich einfach und schnell verlegen lassen soll. Die einzelnen Straßenblöcke sind hohl, was das Einsetzen von Rohren und Kabeln ermöglicht oder bei starkem Regen als temporärer Wasserspeicher dienen kann, um Überschwemmungen zu verhindern.

Neue Fahrräder aus alten Flaschen

Fahrräder selbst bieten ebenfalls ein großes Potenzial, alte Kunststoffe erneut zu verwenden. Der brasilianische Hersteller Muzzi Cycles fertigt die Rahmen seiner Fahrräder aus Plastik, das aus alten PET-Flaschen gewonnen wird. Juan Muzzi, der Gründer der Firma, hatte Recyclingfahrräder schon früh im Sinn, wie er in einem Interview mit „Plastics Magazine“ sagte: „Ich arbeitete in den frühen 2000ern an einem Fahrradrahmen aus Polyamid. Mit der Zeit wurde ich aufmerksam auf die Umweltprobleme durch Plastik. Ich entschied daher, den Rahmen aus wiederverwertetem Plastik zu fertigen.“

Laut eigener Aussage fertigt die brasilianische Firma 132.000 Fahrradrahmen jährlich. Das bereits verwendete Plastik, das als Ausgangsprodukt dient, wird dafür in kleine Teile geschreddert. Diese werden weiter verkleinert und mit chemischen Additiven versehen, um dem Rahmen mehr Stärke zu geben und ihn vor Verwitterung zu schützen. Im Spritzgussverfahren wird dann der Rahmen innerhalb von vier Minuten gefertigt, nach fünf Stunden kühlen kann er zu einem Fahrrad weiterverarbeitet werden.

Recycling für ein Ticket

Plastikflaschen können auch in anderer Form gesammelt und zweitverwendet werden. In der türkischen Hauptstadt Istanbul und in Surabaya, Indonesiens zweitgrößter Stadt, wurden dafür im vergangenen Jahr Pfandsysteme für den Nahverkehr eingeführt.

In Istanbul kann man mit Plastikflaschen und Aluminiumdosen seine U-Bahn-Karte aufladen. Dafür wurden spezielle Pfandautomaten an den Stationen angebracht, an denen das eingeworfene Leergut gezählt und in Form von Guthaben auf das Ticket umgebucht wird. Flaschen bringen je nach Größe zwischen zwei und neun Kuruş, Aluminiumdosen ebenfalls neun Kuruş. Ein Ticket kostet 2,60 Lira, dementsprechend kann man mit 29 leeren Dosen oder 1,5-Liter-Flaschen eine komplette Fahrt bezahlen.

In Surabaya wurde ein ähnliches System für den Busverkehr entwickelt. Die indonesische Stadt erzeugt jeden Tag ungefähr 400 Tonnen Plastikmüll. Indonesien zählt laut Irvan Wahyu Drajad, dem Leiter der örtlichen Verkehrsbehörde, zu den größten Produzenten von Plastikmüll weltweit. „Mit dieser Initiative erhoffen wir, die Öffentlichkeit für den Effekt von Plastik für die Umwelt zu sensibilisieren“, sagte er der Deutschen Welle. Um zwei Stunden mit dem Bus in Surabaya fahren zu dürfen, müssen an der Bushaltestelle oder im Bus selbst entweder zehn gebrauchte Plastikbecher oder, abhängig von der Größe, bis zu fünf Plastikflaschen abgegeben werden.

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