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RailLog Korea in Busan
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RailLog Korea in Busan

Zug um Zug - Innovatives für die Schiene

Alternative Antriebe, High-Speed Züge und autonom fahrende Bahnen – welche großen und kleinen Neuheiten den Bahnverkehr künftig bestimmen könnten, zeigte vom 12. bis 15. Juni 2019 die RailLog in Korea.

Auf der führenden asiatischen Messe für Bahntechnologie ging es nicht nur um Entwicklungen, die den Ablauf im Bahnbetrieb störungsfreier und sicherer machen sollen. Zunehmend spielen für die Hersteller auch Themen wie Klimafreundlichkeit und Luftqualität eine Rolle. Aber auch zu sozialen Aspekten des Bahnfahrens, wie dem Umgang mit Schwangeren in vollen Bahnen, gibt es Überlegungen seitens der Unternehmen. Die Bandbreite der vorgestellten Entwicklungen reichte dabei von der Wasserstoff betriebenen E-Tram des koreanischen Herstellers Hyundai Rotem bis hin zum Nischenprodukt Austroroll, einer optimierten Rollvorrichtung für Eisenbahnweichen der Wieland Austria GmbH. Daneben stellte die Busan Transportation Corporation (Humetro) das neue „Pink Sign“ vor, das schwangeren Frauen in öffentlichen Verkehrsmitteln künftig zu einem Sitzplatz verhelfen soll.

Electric Fuel Cell Tram – Vorstellung der ersten wasserstoffbetriebenen Bahn von Hyundai Rotem

Electric Fuel Cell Tram

Hyundai Rotem präsentierte auf der RailLog das Testfahrzeug seiner ersten wasserstoffbetriebenen Electric Fuel Cell Tram. Durch die gute Energienutzung ist die Bahn auch für die Langstrecke geeignet. Bis 200 km schafft sie mit einer Tankfüllung Wasserstoffgas. Neben dem alternativen Antrieb verfügt die Neuentwicklung über ein Luftreinigungssystem, mit dem die Bahn nebenbei noch Feinstaub aus der Luft filtert und so zur Luftqualität in Städten beitragen kann. Eine Bahn reinigt im laufenden Betrieb die Luft vom Feinstaub, den vier Dieselautos im gleichen Zeitraum produzieren. Auch am autonomen Fahren der Bahn arbeitet das Unternehmen bereits auf einer Teststrecke in Südkorea, wie Senior Research Engineer, Yon-ho Cho von Hyundai Rotem erklärt.

Austroroll – läuft wie geschmiert

Austroroll – läuft wie geschmiert

Wie viele einzelne Teile sind es wohl, die bei Zug und Schiene perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen, damit alles so läuft, wie es soll? Eines davon ist mit Sicherheit die Vorrichtung, die das Umstellen der Weiche ermöglicht. Im Falle der Austroroll von Wieland sorgt die elastisch aufgehängte Rolle nicht nur für einen reibungslosen Umstellvorgang von Eisenbahnweichene, sie ist auch wartungsfrei und muss im Gegensatz zu anderen Systemen nicht geschmiert werden. (s. Interview mit Robert Kollouch, Head of Railway Engineering für Austroroll bei Wieland.)

Pink Sign – ein Sitzplatz für Schwangere

Pink Sign – ein Sitzplatz für Schwangere

Die koreanische Transportgesellschaft Busan Transportation Corporation (Humetro) hat auf der diesjährigen RailLog erstmals ihr neu entwickeltes System zum Thema „Human Metro“ vorgestellt: Das Pink Sign. Dabei handelt es sich um einen kleinen Sender, den schwangere Frauen mit sich tragen und der in der U-Bahn oder in Bussen ein Leuchtsignal an einem Sitz auslöst, der speziell für Schwangere reserviert ist. Das System hat in Busan bereits eine Testphase durchlaufen und soll jetzt flächendeckend in der Stadt eingesetzt werden. Auch in Seoul ist der Einsatz des Pink Signs geplant und laut Humetro haben viele weitere asiatische Städte während der RailLog ihr Interesse an der neuen Entwicklung bekundet. 

Interview mit Robert Kollouch

Während der RailLog in Busan/Südkorea konnten wir mit Robert Kollouch, Head of Railway Engineering für Austroroll bei Wieland sprechen.

Robert Kollouch, Head of Railway Engineering für Austroroll bei Wieland

Herr Kollouch, was genau ist der Vorteil von Rollenvorrichtungen wie der Austroroll im Vergleich zur herkömmlichen Eisenbahnweichen?

Robert Kollouch: Ein Lokführer hat einmal jemand gesagt, Zugfahren könnte so schön sein, wenn es keine Weichen gäbe. Weichen sind mit einer der größten Störeinflüsse, die es im Zugverkehr gibt, durch Ausfall oder Schwergang usw.  Normalerweise müssen die Gleitstuhlplatten, auf denen die Weichenzunge hin und herrutscht, regelmäßig geschmiert werden. Durch das Ausrüsten der Weiche mit Austroroll wird diese störanfällige Schmierung vollständig überflüssig. Das besondere an unserem System ist, dass Austroroll mit einer großen Rolle ausgestattet, und im Gegensatz zu vergleichbaren Vorrichtungen dauerhaft elastisch gelagert ist. Das hat den Vorteil, dass sie sich nicht so schnell abnutzt, wartungsfrei ist und sehr störungsresistent – auch unter Extrembedingungen. Zudem wird der Weichenantrieb geschont. Das heißt, die  Kräfte, die notwendig sind, um die Weiche umzustellen, werden reduziert. Dadurch erhöht sich die Lebensdauer des Antriebs und Weichenstörungen gehen stark zurück. Das heißt: Weniger Störungen, weniger Verspätungen, zufriedenere Kunden.

Bahnfahren ist ja per se für die Nutzer eine klimafreundliche Alternative zum Auto. Welche Rolle spielt Umweltschutz bzw. der ökologische Fußabdruck für Sie als Hersteller im Schienenverkehr und für Ihre Kunden?

Robert Kollouch: Aus unserer Sicht ist Umweltschutz immer mehr ein Thema, ein Verkaufsargument ist es aus meiner Sicht leider noch viel zu wenig. Das ist aber natürlich von Land zu Land unterschiedlich, aber weltweit werden die meisten Weichen sicherlich noch herkömmlich geschmiert. Abhängig davon wie stark die Strecke frequentiert ist und wie die Witterungseinflüsse sind, kann es gut sein, dass eine Weiche ein bis zwei Mal pro Woche gefettet werden muss. In asiatischen Ländern mit monsunartigen Regenfällen muss zum Teil täglich geschmiert werden. Das ist bei unserem System nicht nötig. Damit spart man jährlich bei jeder Weiche etwa 25 Liter Schmiermittel. Wenn man das hochrechnet, sagen wir mal, ein Land hat 1.000 Weichen, dann sind das 25.000 Liter Öl, die jährlich irgendwo im Schotter versickern. In vielen Ländern ist der mit dem Schmiermittel kontaminierte Schotter Sondermüll und muss erstmal wieder gereinigt werden. Die Aufbereitung kostet dabei mehr als die Rollen an sich. In Deutschland und Österreich und auch in vielen anderen Ländern ist man deshalb bereits dazu übergegangen alle neuen Weichen mit Rollen auszustatten. Wir sind zum Beispiel seit vielen Jahren Lieferant für die Deutsche Bahn AG.

Was ist Ihrer Meinung nach der nächste Schritt in die Zukunft der Technologien für Bahn und Schiene?

Robert Kollouch: Natürlich schwebt heute über allem das Thema Digitalisierung und Big-Data. Die Frage für mich ist allerdings, was macht man mit all den Daten? Man muss die Daten ja irgendwie auswerten und sinnvoll nutzen. Insbesondere beim Thema vorbeugende Instandhaltung könnte es da interessante Ansätze geben. Also, dass ein System automatisch feststellt, wo sich Probleme abzeichnen und auch wie wir frühzeitig darauf reagieren können. Eben nicht erst dann zu reparieren, wenn etwas schon kaputt ist, sondern vorbeugend aktiv zu werden, damit der Betrieb problemlos weiterlaufen kann. Das ist sicher ein wichtiges Thema. Trotzdem – bei aller Digitalisierung darf man nicht vergessen, dass die Basics nach wie vor funktionieren müssen. Und auch mit der Digitalisierung fährt immer noch ein Stahlrad auf einer Stahlschiene. Aber zum Beispiel in Sachen Streckenkapazität gibt es auch noch Möglichkeiten, die Abläufe zu optimieren – durch Erhöhung der Taktfrequenz durch dynamische Zugführung. Da wird sich noch einiges tun in den nächsten Jahren, denn: Zugfahren ist die Zukunft!

Über Robert Kollouch

Robert Kollouch hat nach einer technischen Ausbildung an der Fachhochschule Wiener Neustadt, Marketing & Sales studiert und ist seit 12 Jahren  bei der Firma Wieland Austria als Head of Railway Engineering tätig. Im Zuge des Business Developments für „Austroroll“ ist er häufig im asiatischen Raum unterwegs.

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