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Noch werden Autos vornehmlich mit dem Schiff nach China transportiert.  Das will Dr. Jörg Mosolf, CEO der Mosolf Gruppe ändern. (Foto: Mosolf)
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Passagierdrohnen

Kommt ein Taxi geflogen

Der Aufstieg in die dritte Dimension soll den Verkehr in Städten entlasten. Mit autonom fliegenden Passagierdrohnen versuchen zahlreiche Unternehmen einen weltweiten Markt zu erschließen. Werner Schweizer hingegen sieht die Chance für eine kleine deutsche Gemeinde in Nordfriesland.

Fliegende Autos sah man bisher nur in Science-Fiction-Filmen, aber jetzt sind sie Realität. Mindestens vier Unternehmen haben bereits flugfähige Modelle im Angebot, Dutzende weitere arbeiten an Prototypen. Schließlich geht es um einen wachsenden Markt, der nach einer Schätzung der Investmentbank Morgan Stanley in den nächsten 20 Jahren bis zu 1,5 Billionen US-Dollar groß sein könnte.

Das deutsche Start-up Volocopter hat bereits erste Testflüge mit dem Flugtaxi 2X gemacht. Die Drohne verfügt über 18 Rotoren, die genug Kraft haben, um zwei Personen mit insgesamt 160 Kilogramm in die Luft zu heben. Die Reichweite liegt derzeit bei ungefähr 27 Kilometern, wenn durchschnittlich mit 70 Stundenkilometern geflogen wird. Die Akkus sind modular und können ausgetauscht werden, was die Standzeiten verkürzen soll.

Dass Volocopter auf der richtigen Spur ist, glaubt auch der Chiphersteller Intel, der seit 2016 an dem Projekt beteiligt ist. Zunächst soll ein Punkt-zu-Punkt-Flugverkehr realisiert werden. Die Drohnen würden beispielsweise zwischen zwei Hubs verkehren, in denen sie die Batterien wechseln können. Ein komplett autonomes Fliegen ist anfangs noch nicht möglich.

Per Flugtaxi nach Sylt

Diese Einschränkung macht die Flugtaxis nur für spezielle Fälle viabel. Zum Beispiel auf Sylt: Dort kommt es seit Jahren zu starken Einschränkungen im Bahnverkehr, dem Hauptweg auf die Insel. „Es vergeht fast kein Tag ohne extreme Verspätungen oder Ausfälle“, sagt Werner Schweizer, Bürgermeister von Klixbüll. Das kleine Dorf in Nordfriesland liegt mit seinen circa 1.000 Einwohnern unmittelbar an der Bahnstrecke auf die Insel. Auf der gegenüberliegenden, östlichen Seite der Gemeinde ist der Flugplatz Leck, der dieses Jahr reaktiviert werden soll. Als ehemaliger NATO-Standort durchläuft das Gebiet eine Konversion, die laut Schweizer einen Fokus auf Flugverkehr haben soll. „Im ländlichen Raum muss ich mir überlegen, wo meine Stärken sind. Wir würden nie auf die Idee kommen, einen Flugplatz zu bauen, aber er ist ja schon da“, sagt er über die Planungen.

Somit entsteht ein Gewerbegebiet mit Landebahn, in der sich luftfahrtaffine Betriebe ansiedeln können. SyltAir will beispielsweise den Flugplatz ab nächstem Jahr nutzen. Und auch Lufttaxis hält Schweizer, der selbst jahrelang Pilot bei der Luftwaffe war, für eine realistische Option: „Wenn Sie sehen, wie viele Handwerker, Rechtsanwälte oder Steuerberater für kleine Besprechungen nach Sylt müssen. Die haben keine Lust auf die unzuverlässige Eisenbahn. So hätten wir wenigstens eine Alternative.“

Viele Hersteller drängen auf einen unklaren Markt

Dass es einen potenten Markt für Passagierdrohnen gibt, hat nicht nur Volocopter erkannt, die Konkurrenz ist groß. Porsche arbeitet an einem Konzept, das bis 2025 Linienflüge ermöglichen soll. Das deutsche Start-up Lilium konnte für sein Flugtaxi 90 Millionen US-Dollar an Investitionen anlocken. Der US-amerikanische Hubschrauberhersteller Bell zeigte auf der diesjährigen South by Southwest (SXSW) in Austin, Texas, das Modell Nexus, das in Zukunft über Uber buchbar sein soll. Und Airbus will die CityAirbus in Ingolstadt testen. Das US-Unternehmen Kitty Hawk hat ebenfalls einen bereits fliegenden Prototypen, den Flyer, präsentiert. Laut der Wirtschaftswoche sind bis zu 60 verschiedene Lufttaxis weltweit in der Entwicklung.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist auf diesen Trend eingegangen und stellt in den nächsten vier Jahren bis zu 15 Millionen Euro für die Entwicklung von Flugtaxis bereit: „Deutschland ist Luftfahrtpionierland. Drohnen und Flugtaxis sind längst keine Vision mehr. Sie sind der Take-off in eine neue Dimension der Mobilität und eine Riesenchance für Kommunen, Unternehmen und Start-ups, die heute schon sehr konkret und erfolgreich die Entwicklung vorantreiben.“

Noch steckt die Branche aber in den Anfängen. Wichtige Zulassungen der europäischen Luftfahrtbehörde EASA stehen noch aus, neue Richtlinien müssen noch formuliert werden. Die amerikanische Luftaufsichtsbehörde FAA ist ebenfalls noch nicht soweit, pilotenlose Drohnen auf kommerzieller Basis zu erlauben. Seit 2018 darf allerdings experimentiert werden.

Auch Werner Schweizer weiß, dass es noch dauern wird, bis Touristen vom Flugplatz Leck aus nach Sylt starten. Er verfolgt die Entwicklung der neuen Fluggeräte genau: „Die große Veränderung in der elektrischen Luftfahrt wird ab 2025 kommen, wenn es machbar wird, 500 Wattstunden pro Kilogramm Akkumasse unterzubringen. Dann wird es richtig losgehen.“

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