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Manöver geglückt: Der Lander setzt auf einem Asteroiden auf
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Geschäftsmodelle im All

New Space Ökosystem

Von Erdbeobachtung bis zum Weltraumbergbau: Das All bietet zahlreiche Geschäftsmodelle. Das Berliner Unternehmen Interstellar Ventures hilft Start-ups und etablierten Firmen, diese zu nutzen. CEO und Gründer Sebastian Straube erklärt wie.

Sechs Minuten freier Fall, dann ein sanfter Aufprall, der sich elf Minuten lang in der Schwerelosigkeit wiederholt: So begann Anfang Oktober 2018 die 17-stündige Erforschungsmission des Landers MASCOT auf dem Asteroiden Ryugu, 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. „Die Landung auf Ryugu ist ein gutes Beispiel dafür, wie viel Weltraum-Know-how etwa beim Asteroidenlander und Rover sowie bei der Robotik in Deutschland und Europa vorhanden ist“, erklärt Sebastian Straube.

2016 startete Straube das Unternehmen Interstellar Ventures. Zuvor hatte er ein Beratungsunternehmen geführt und mit dem Weltraum nichts zu tun. „Ein Kundenproblem brachte mich darauf“, erklärt Straube. Er suchte nach neuen Lösungen, um Lieferketten eines Kunden zu optimieren, und wollte herausfinden, ob man mithilfe von Erdbeobachtungsdaten globale Lieferketten auf Umweltauswirkungen analysieren könnte. „Da bin ich in das Thema kommerzielle Raumfahrt eingetaucht und war fasziniert von den vielfältigen Möglichkeiten, die dieser Bereich bietet.“

Strategische Partnerschaften

Interstellar Ventures hilft Start-ups und etablierten Unternehmen, in der kommerziellen Raumfahrt aktiv zu werden. Vom New Space Ökosystem spricht Straube. Im Grunde sind es zwei Dienstleistungen, die das Unternehmen anbietet: Erstens organisiert das Unternehmen einen Investmentfonds, der direkt in junge Unternehmen aus dem Bereich kommerzieller Raumfahrt investiert; zweitens eine Strategieberatung, mit der Start-ups, etablierte Unternehmen und öffentliche Institutionen den Zugang zu strategischen Partnerschaften und Sektor-Expertise erhalten. Ein dritter Strang wird irgendwann eine internationale Stiftung für Raumfahrtunternehmertum sein.

Start-ups in der Raumfahrt? War das nicht bisher die Domäne von gut alimentierten öffentlichen Stellen wie der Europäischen Weltraumorganisation ESA oder dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR ? „Ja, so war das“, so Straube und betont das „war“. Die Digitalisierung und die Miniaturisierung hätten die Einstiegshürden in den Markt drastisch reduziert. Ein Satellit der Firma Planet, der Erdbeobachtungsdaten erhebt, misst heute gerade mal 10 x 10 x 30 Zentimeter. Das reduziert die Hardwarekosten und erlaubt Planet von Berlin aus, eine Flotte von über 100 Satelliten zu betreiben. „So etwas hätte sich vor zehn Jahren niemand vorstellen können“, sagt Straube.

Privat und öffentlich nebeneinander

Das Nebeneinander von staatlicher Forschung und privatwirtschaftlichem Unternehmertum findet Sebastian Straube gerade wichtig. „Das Engagement von kleinen agilen Unternehmen kann helfen Chancen zu realisieren, auf die die öffentlichen Institutionen niemals kämen“, betont er. Interstellar Ventures sieht seine Aufgabe in der Vernetzung dieser beiden Akteure. Und ein dritter kommt hinzu: traditionelle Unternehmen. „Je mehr diese Unternehmen unter dem Druck der digitalen Transformation stehen, desto mehr sind sie offen für unkonventionelle Lösungen“, hat Staube bemerkt.

Geschäftsmodelle im All

Die ungewöhnlichen Lösungen, die die Kunden von Interstellar Ventures anbieten, beziehen sich zum einen auf Daten. Das Start-up LiveEO etwa analysiert mit Erdbeobachtungsdaten die Bepflanzung an den Strecken der Deutschen Bahn und liefert Hinweise, welche Bäume und Büsche präventiv zurückgeschnitten oder gerodet werden sollten, bevor sie beim nächsten Sturm auf die Gleise stürzen. Diese Erdbeobachtungsdaten sind freilich nicht identisch mit den Daten, die Navigationsgeräte im Auto verarbeiten; dabei geht es nur um die sogenannte Geolokalisation. Bei der Erdbeobachtung kommen deutlich mehr Daten und etwa auch Kameras zum Einsatz. „Erdbeobachtungsdaten werden durch Kameras auf Satelliten gesammelt und ermöglichen es, jeden Ort auf der Erde aus dem Orbit mit unterschiedlichen Auflösungen und Lichtspektren zu beobachten.“

Sebastian Straube
Sebastian Straube

Weitere Geschäftsmodelle aus dem Orbit können Dienstleistungen wie Reparatur oder Wartung der momentan etwa 1.500 im Einsatz befindlichen Satelliten sein, das sogenannte In-Orbit-Servicing; die Nutzung der Micro-Gravitation bei chemischen, biologischen oder materialwissenschaftlichen Experimenten auf der Internationalen Raumstation ISS oder schließlich der Weltraumbergbau. Auch der Abbau von Ressourcen etwa auf Asteroiden sei kein Thema der fernen Zukunft, betont Sebastian Straube. „Die notwendige Expertise ist vorhanden, siehe Ryugu.“ Ein wirklich visionärer Einsatz wäre dann die kommerzielle Nutzung des Mondes. „Das Thema Mond wurde ja seit 50 Jahren nicht weiterentwickelt“, erklärt Sebastian Straube, und man spürt, wie sehr es ihn reizt, diese Weiterentwicklung anzustoßen.

Auf der Hypermotion spricht Sebastian Straube in der „New Space“-Talkrunde im Rahmen des Hypermotion Lab.

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