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#LogistikHilft: Lkw-Fahrer müssen vor Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden (Foto: Unsplash)
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#LogistikHilft

Stark in die Zukunft

Die Logistics Alliance Germany vermarktet normalerweise deutsche Logistik im Ausland, doch mit der Corona-Pandemie rücken neue Aufgaben in den Vordergrund. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur startet sie nun die Hilfsaktion #LogistikHilft. Stefan Schröder, Chief Adviser der Vereinigung ist sich sicher: Die Branche wird gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Die Corona-Krise trifft Logistiker unterschiedlich hart: Während Logistikunternehmen in den Bereichen Lebensmittel, Handel und E-Commerce ihre Kapazitäten aufstocken müssen, stehen hochspezialisierte Unternehmen wie etwa Automobilzulieferer unter erheblichem Druck. „Der Fokus innerhalb der Branche besteht nun darin, die Versorgung aufrechtzuerhalten, ohne dass es zu gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen kommt“, weiß Stefan Schröder, CEO bei LNC LogisticNetwork Consultants und Chief Adviser der Logistics Alliance Germany.

Als öffentlich-privates Partnerschaftsprojekt zwischen dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der deutschen Logistikwirtschaft, vermarktet die Logistics Alliance Germany deutsche Logistik im Ausland und dient als zentrale Informations- und Anlaufstelle, insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen aus dem Ausland, die auf der Suche nach deutschen Logistikpartnern sind. Normalerweise organisiert sie Messeauftritte, Delegationsreisen, Roadshows, Fachkonferenzen sowie regelmäßige Treffen mit Bund, Ländern und der privaten Logistikwirtschaft. Mit der Corona-Pandemie sind nun andere Aufgaben in den Vordergrund gerückt.

Schutz von Lieferketten und Mitarbeitern

Aktuell engagiert sich die Logistics Alliance Germany mit dem BMVI für die Hilfsaktion #LogistikHilft, um der Krise zu begegnen. Dazu gehören in erster Linie die Sicherstellung von Lieferketten, der Schutz von Logistik-Mitarbeitern sowie medizinische Versorgungstransporte. „Logistik ist ein essenzieller Bestandteil, wenn es um die internationale Versorgungssicherheit von medizinischer Schutzausrüstung geht. Doch besonders bei knappen Produkten wie Schutzmasken sind offene Grenzen und freier Warenaustausch inzwischen nicht mehr selbstverständlich und so zu hochsensiblen Themen geworden. Wir müssen neue Logistikketten installieren und insbesondere die Kollegen schützen, die kein Homeoffice machen können, weil sie im Lager arbeiten, auf der Straße unterwegs sind oder Pakete vor die Haustür liefern“, so Schröder.

Wenn Logistiker vor der Pandemie vom Schutz der Lieferkette sprachen, ging es vor allem darum, dass Ladungen sicher verstaut und gegen Diebstahl geschützt werden. Mit dem Schutz vor Ansteckung sind die Anforderungen an die Lieferkette deutlich komplexer geworden. Insbesondere die Fahrer müssen an jedem Punkt der Kette geschützt und wenn möglich regelmäßig auf das Virus getestet werden. Gleichzeitig müssen mobile Wasch- und Hilfscontainer aufgestellt werden, weil viele der üblichen Wasch- und Rastmöglichkeiten für Fahrer momentan wegfallen.

Logistik ist systemrelevant

Doch Schröder sieht auch viel Positives: „Plötzlich wird unsere Branche auch als systemrelevant wahrgenommen. Versorgungs- und Entsorgungssicherheit hatten zwar schon immer eine große Bedeutung, doch bisher war das innerhalb unserer Gesellschaft kaum sichtbar. Mit der Corona-Krise wird nun deutlich, wie wichtig logistische Prozesse und Transporte sind. Und ich hoffe, dass diese Wertschätzung bei den Menschen haften bleibt.“

Außerdem helfen die Digitalisierungmaßnahmen aus den vergangenen Jahren enorm. Über Tracking und Tracing Daten sammeln und auswerten und damit die Kette zu managen – das war in der Logistik schon immer eines der wichtigsten Themen. Auch Blockchain-Technologien unterstützen dabei, sichere und nachvollziehbare Ketten aufzubauen. Maßnahmen, die unter normalen Umständen jahrelang getestet werden, kommen nun schneller zum Einsatz.

Ein digitaler Riesensprung

„Normalerweise ist die Branche sehr von Auflagen und Regularien getrieben, was oft wichtig und richtig ist, aber die digitale Entwicklung verlangsamt“, so Schröder. Im Bereich Schwerlast- und Großraumtransporte etwa musste bislang immer ein Beifahrer im Lkw mitfahren. Während der Corona-Pandemie ist das aber kaum möglich, weil der geforderte Sicherheitsabstand zwischen Fahrer und Beifahrer nicht eingehalten werden kann. Nun kommen digitale Fahrassistenzsysteme zum Einsatz. „Wir diskutieren schon lange über Assistenzsysteme“, sagt Schröder. „Die Lösungen sind längst auf dem Markt, aber es sollte zunächst in Studien getestet werden, ob sie sicher genug sind und den Beifahrer tatsächlich ersetzen können. Der Druck der aktuellen Lage hat nun dazu geführt, solche Systeme als Ersatzmaßnahme zuzulassen. Nun können wir sie in Echtzeit testen und mit ihnen lernen. Das ist ein Riesensprung für mehr Sicherheit im Verkehr.“

Anwendungsfeld der Innovation

Auch in der urbanen Logistik und insbesondere auf der letzten Meile wurden in den vergangenen Jahren Lösungen entwickelt, die in der Krise stärker denn je gefragt sind. Eine davon ist die Nutzung von Mikrodepots, die als Zwischenlager oder für kontaktfreie Lieferungen genutzt werden. Die Herausforderung bestand bislang meist darin, geeignete Plätze für die fest installierten oder mobilen Mikrodepots zu finden. In der aktuellen Situation können sie viel unproblematischer aufgebaut werden und es zeigt sich, wie eine flächendeckende Versorgung mit Mikrodepots aussehen könnte und welche Auswirkungen sie auf Verkehr und Emissionen haben.

Stefan Schröder weiß um die Notlage, in der sich seine Branche befindet, doch er ist optimistisch: „Die Krise wird uns auch viel Erfahrung, neue Ideen und Möglichkeiten bringen. Die Logistik ist das Anwendungsfeld von Innovationen und wir können jetzt Perspektiven für die Zukunft erarbeiten. Die Digitalisierung wird uns helfen, die Krise zu überwinden – und die Krise wiederum gibt der Digitalisierung innerhalb der Branche einen großen Schub. Das macht uns stark für die Zukunft.“

Tags

  • Transport & Logistics

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