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LEVC – vom Taxiproduzenten zum führenden Hersteller von Elektrofahrzeugen (Foto: LEVC)
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Elektrische Nutzfahrzeuge

Raus aus der Nische

LEVC ist Hersteller der ikonischen schwarzen Londoner Taxis – und hat geschafft, woran viele Traditionsunternehmen scheitern: Mit dem Umstieg auf Elektroantrieb hat es den notwendigen Sprung in die Zukunft gewagt. Nun will das Unternehmen im Logistik-Bereich expandieren und neue Märkte mit neuen Produkten erschließen.

Jörg Hofmann: „Unsere Firma setzt Trends, sie läuft nicht Trends hinterher.“ (Foto: LEVC)
Jörg Hofmann: „Unsere Firma setzt Trends, sie läuft nicht Trends hinterher.“ (Foto: LEVC)

Wer schon einmal in London war, kennt sie: die schwarzen Taxis der britischen London Electric Vehicle Company, kurz LEVC. 1908 stellte das Karosserieunternehmen Mann and Overton’s das Black Cab vor. Es wurde schnell das erfolgreichste Taxi in London. Und schon 1914 hatte es alle anderen verdrängt. Seither fokussierte sich das Traditionsunternehmen auf diese Taxis – und stand damit schon mehrere Male kurz vor dem Aus. Die Nische war zu klein.

2017 gelingt der inzwischen hundertprozentigen Unternehmenstochter des chinesischen Fahrzeugherstellers Geely mit dem Elektro-Taxi TX ein erster Sprung in die neue Mobilität. Doch erst der ehemalige Audi-Manager Jörg Hofmann, der Anfang 2019 ins Unternehmen geholt wird, schafft es, die wirtschaftlich marode LEVC zukunftsfähig zu machen. Seither ist viel passiert.

Große Europaoffensive

Hofmann ist mit dem Ziel angetreten, das Traditionsunternehmen zu einem führenden Hersteller von Elektrofahrzeugen zu machen. Er hat die Fabrik neu aufgebaut, die Produktion verschlankt und Lieferketten stabilisiert. „Schnelligkeit, Leistung und Vertrauen“ lautet das neue Programm. Doch das Wichtigste für Hofmann war die Entwicklung einer neuen Wachstumsstrategie: „Um LEVC aus der Taxi-Nische herauszuführen, erschließen wir neue Exportmärkte und entwickeln neue Produkte.“

Bisher hat LEVC nach eigenen Angaben mehr als 4000 TX-Elektrotaxis verkauft. Neben Europa soll das E-Taxi auch in Japan, im Nahen Osten, in Australien und in Neuseeland eingeführt werden. Der Fokus liegt aber weiterhin auf Europa: Bereits im vergangenen Jahr haben die Briten ein neues zentrales Verkaufsbüro in Frankfurt eingerichtet. „Von hier aus wollen wir ein Vertriebs- und Servicenetz über ganz Europa aufbauen. Unsere Exportstrategie sieht vor, dass wir bis 2022 von zehn Prozent auf 60 Prozent Export umstellen“, so Hofmann.

Mehr als 480 Kilometer Reichweite: der neue E-Transporter VN5 (Foto: LEVC)
Mehr als 480 Kilometer Reichweite: der neue E-Transporter VN5 (Foto: LEVC)

Trends schaffen

Gleichzeitig steht LEVC kurz vor der Einführung eines zweiten Produkts: des Elektro-Van VN5 . Auf der Hypermotion in Frankfurt soll er im November 2020 zum ersten Mal einem Publikum außerhalb von Großbritannien vorgestellt werden. „Wir wollen einen Nutzfahrzeugsektor bedienen, der derzeit noch von dieselbetriebenen Produkten dominiert wird. Der VN5 hat eine Reichweite von mehr als 480 Kilometer und kann in 30 Minuten von null auf 100 Prozent aufgeladen werden. So kann er nicht nur auf der letzten Meile, sondern auch auf mehreren Fahrten in einem ‚Verteilung-bis-zur-Tür-Betrieb‘ eingesetzt werden“, erzählt Hofmann.

Fortan soll sich das Unternehmen aus drei Produktionssäulen zusammensetzen: dem klassischen Taxi-Geschäft, Shuttle-Fahrzeugen und Elektro-Transportern. Shuttle-Anbieter wie Clever Shuttle oder die Deutsche-Bahn-Tochter Ioki hat bereits LEVC-Fahrzeuge im Einsatz. Doch auch darüber hinaus geht das Unternehmen neue Wege: Mit „Pay as you drive“ bietet es gemeinsam mit dem Partner Octopus Group beispielsweise eine innovative und flexible Finanzierungslösung an. Sie verknüpft Rückzahlungen mit dem Einkommen, sodass Käufer, wenn sie eine Zeit lang nicht arbeiten, nicht an Zahlungen gebunden sind. So können Taxifahrer und Flottenbetreiber einfacher auf emissionsfreie Fahrzeuge umsteigen. Es wird noch viel passieren, und bei einem ist sich Jörg Hofmann sicher: „Unsere Firma setzt Trends, sie läuft nicht Trends hinterher.“

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  • Alternative Antriebe

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