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Brandenburg – neuer Hotspot der Batteriefertigung?

5 Fragen an Dipl.-Ing. Katharina Jacob

Die Nachricht sorgte für reichlich Wirbel: Tesla will im brandenburgischen Grünheide eine Gigafactory bauen. Und auch Microvast und BASF wollen in Brandenburg Batteriefabriken errichten. Wird das Bundesland jetzt zu einem Hotspot der Elektroauto-Batteriefertigung? Ein Interview mit Dipl.-Ing. Katharina Jacob vom Fachgebiet Verkehrswesen im Fachbereich Bauingenieurswesen der FH Potsdam.

Dipl.-Ing. Katharina Jacob
Dipl.-Ing. Katharina Jacob (Foto: privat)

Elektrofahrzeug-Hersteller Tesla will eine Gigafactory in Grünheide bauen, das US-Unternehmen Microvast in Ludwigsfelde bei Berlin Batteriepacks produzieren und der Chemiekonzern BASF in seinem Werk in Schwarzheide eine Kathoden-Fabrik errichten. Wird Brandenburg zu einem Hotspot der Batterieherstellung?

Durch die Engagements von Tesla, Microvast und BASF wird Brandenburg vielleicht nicht zum Hotspot der Batterieherstellung, aber die Region kann so durchaus zum Wegbereiter für die Produktion von Batterien in Europa werden. Das ist ein großer Durchbruch.

Was macht das Bundesland so attraktiv für die Unternehmen?

In Brandenburg gibt es noch viel bebaubare Fläche, aber aktuell noch wenig Konkurrenz für ansiedelungswillige Firmen. Außerdem wurde das Gebiet bereits für andere Investitionen erschlossen und bietet so optimale Bedingungen. Gleichzeitig gibt es im nahe gelegenen Berlin zahlreiche innovative Unternehmen und Start-ups. Außerdem von Vorteil: die Nähe zu Polen und der bald eröffnende Großflughafen BER. Und nicht zuletzt hat das Qualitätssiegel „made in Germany“ sowohl im In- als auch im Ausland weiterhin große Bedeutung.

„Brandenburg kann zum Wegbereiter für die Batterieproduktion in Europa werden.“

Derzeit sind 80 Prozent der weltweiten Batterieproduktion in Asien angesiedelt. Können die aktuellen Entwicklungen in Brandenburg helfen, diesen Trend umzukehren?

Um den Trend umzukehren, braucht es sicherlich mehr als die aktuellen Entwicklungen, doch mit den höheren Ansprüchen an die Batterieproduktion kann Brandenburg zumindest für eine starke Konkurrenz sorgen. Die Käufer fordern immer lauter eine nachhaltige Produktion der Batterien. Und auch wenn der Großteil der verwendeten Rohstoffe noch immer unter fragwürdigen Bedingungen in anderen Teilen der Welt gewonnen wird, so werden die Batterien in Brandenburg zumindest nach deutschen Normen und Gesetzen hergestellt. Das kann zu einer Verbesserung der Qualität und einer nachhaltigeren Herstellung ingesamt führen.

Wird sich die Verfügbarkeit von Batterien für europäische Hersteller von E-Autos durch die Entwicklungen in Brandenburg erhöhen? Und könnte die Verbreitung der Elektromobilität in Europa dadurch an Dynamik gewinnen?

Tesla und Microvast allein werden die Verfügbarkeit von Batterien vermutlich nur minimal erhöhen, wichtig ist, dass andere Unternehmen nachziehen. Nur so können wir die Entwicklung von besseren Batterien mit anderen Stoffen, neuen Verbindungen, höheren Kapazitäten und gleichzeitig ressourcenschonender Produktion vorantreiben. Und damit gewinnen wir Dynamik. Kritiker munkeln ja noch immer, dass Deutschland die Elektromobilität verschläft. Um das zu verhindern, müssen deutliche Anreize geschaffen werden. Da kommt Tesla mit seiner Gigafactory 4 gerade recht. Deutschland wird dadurch einen großen und dringend benötigten Schritt nach vorn gehen.

Die Batteriehersteller haben sich sicher auch wegen der Infrastruktur und der Nähe zu Berlin für Brandenburg entschieden. Was wird Ihrer Einschätzung nach früher eintreten – die Inbetriebnahme des Flughafens BER oder die Produktion bei Tesla?

Die Produktion bei Tesla soll 2021 starten, der neue Eröffnungstermin für den BER ist für Oktober 2020 angekündigt. Letzteren Termin nochmals zu verschieben wäre eine weitere Blamage, und man wird sicher alles daran setzen, den Termin zu halten. Aber wer weiß: Am Ende wird es vielleicht doch ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

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