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Weltraum
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IoT in Space

5 Fragen an Prof. Johann-Dietrich Wörner

Das Internet der Dinge (IoT) dringt in den Weltraum vor. Viele Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, es mithilfe von Satelliten auf der Erde und im All einzusetzen. Doch was sind die technischen Voraussetzungen? Und wofür brauchen wir IoT in Space? Ein Interview mit Prof. Johann Dietrich-Wörner, Generaldirektor der European Space Agency ESA.

Prof. Johann-Dietrich Wörner (Foto: ESA)
IoT in Space muss mit einer europäischen Regelung zum Datenschutz verbunden sein, davon ist Prof. Johann-Dietrich Wörner überzeugt (Foto: ESA)

Internet of Things meint die Vernetzung intelligenter Geräte und Systeme. Was bedeutet demgegenüber IoT in Space? Was fügt dieses Konzept dem Internet der Dinge hinzu?

Das Internet of Things (IoT) basiert auf der Datenübertragung zwischen Sensoren und Geräten. Diese Daten können terrestrisch übertragen werden oder eben über den Weltraum. Das ist insbesondere überall dort wichtig, wo es auf der Erde keine guten Netzabdeckungen gibt: in abgelegenen Gebieten etwa oder beim Transport in Zügen oder Containerschiffen. Der Weltraum kann mithilfe von Satelliten eine Art Übertragungsbrücke darstellen und den Datentransfer so jederzeit ermöglichen. Der Weltraum ist somit zum einen ein großer Enabler von IoT. Zum anderen ist die Vernetzung intelligenter Systeme und Geräte für die ESA auch aus Nutzerperspektive interessant. Denn in Zukunft wird es sicherlich immer mehr Sensoren an unseren Space-Objekten geben, um deren Zustand noch besser überwachen zu können.

Können Sie einige konkrete Beispiele für Anwendungen von IoT in Space nennen?

Im Projekt ARTES unterstützen wir beispielsweise den britischen Satellitenkommunikationsanbieter Lacuna Space und dessen LoRa-Technologie. Die Technologie verwendet Satelliten im erdnahen Orbit, um mit schwer erreichbaren terrestrischen Bodensensoren zu kommunizieren, ohne dass ein teures Zwischenmodem erforderlich ist. Diese Technologie baut im Gegensatz zu aktuellen Lösungen Eintrittsbarrieren ab und ermöglicht Industriekunden, ein kostengünstiges Fernüberwachungssystem zu integrieren. In diesem Beispiel schafft IoT über den Weltraum ein ganz neues Ökosystem von Unternehmern, die in der Lage sind, ihren Kunden mit Fernüberwachungsnetzen überall auf der Welt kostengünstige und zuverlässige Datendienste zu liefern.

Was sind die technischen Voraussetzungen für IoT in Space? Wie weit kann dafür auf bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden, was muss neu entstehen?

Wichtigste Voraussetzung ist die entsprechende Übertragungskapazität im Weltraum, mit entsprechender Abdeckung für jeden Spot auf der Erde. Neu entstehen muss die Relais-Kapazität an Space-Objekten, wie es beispielsweise mit der ISS-Antenne für den schweizerischen Data Connectivity Provider Sat4M2M bereits geschieht. Das kann durch Mikro- und Nanosatelliten mit entsprechenden Receivern erfolgen.

Inwieweit sind Etablierung und Betrieb von IoT in Space eine Aufgabe von Regierungen, inwieweit können sich Unternehmen beteiligen?

Lösungen sollten im Zusammenspiel von privaten Unternehmen und öffentlicher Förderung entstehen. Es sind ja bereits viele Unternehmen im Weltraum unterwegs. Die EU und einzelne Regierungen müssen aber Regulierungsaufgaben übernehmen und Themen wie Nutzung, Frequenz, Datensicherheit und Standardisierung steuern.

Datentransfer hat ja immer auch eine ethisch-rechtliche Komponente, etwa in Bezug auf Systemzugang und Datenschutz. Welche Art von Regulierung muss es für IoT in Space geben und auf welcher Ebene sollte sie angesiedelt sein?

Das muss Hand in Hand mit den Regulierungen in Bezug auf IoT on Earth gehen. Ähnlich wie die General Data Protection Regulation (GDPRO) zum Schutz persönlicher Daten, in Deutschland als DSGVO bekannt, ist eine Regulierung auf EU-Ebene mit globaler Sicht und eine Implementierung in den Mitgliedsstaaten notwendig. Genauso wichtig ist der zunehmende Verkehr im Weltraum, der ebenfalls reguliert werden muss.

Über Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner

Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner ist seit 2015 Generaldirekor der European Space Agency (ESA). Zuvor war der promovierte und habilitierte Bauingenieur Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), von 1995 bis 2007 Präsident der Technischen Universtität Darmstadt. Wörner wurde mit einer Reihe von Preisen und Auszeichnungen geehrt und ist Träger des Bundesverdientskreuzes sowie Ritter der französischen Ehrenlegion. Er ist unter anderem Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina und des Konvents für Technikwissenschaften acatech. Des Weiteren erhielt Wörner die Ehrendoktorwürde mehrerer Universitäten auf der ganzen Welt und ist Mitglied in verschiedenen nationalen und internationalen Aufsichtsratgremien, Beiräten und Kuratorien. Auf der Hypermotion, 10.–11.11.2020, diskutiert Prof. Wörner mit weiteren Experten aus Forschung und Wirtschaft über IoT in Space.

Tags

  • Raumfahrt

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